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An 6 Nachmittagen treffen sich Kinder von 6-12 Jahren zu einer Entdeckungsreise in die Welt der Psalmen bzw. biblischen Geschichten . Mit Wasserfarbe, Tusche, Wachsstiften... bringen die Kinder ihre Entdeckungen aufs Papier. Malen, spielen, Musik hören und machen, reden, dafür soll genug Zeit sein. Gerne komme ich in Ihre Gemeinde. (ein bis zwei MitabeiterInnen zum Helfen sind notwendig sowie ein Raum zum Aufbewahren der Materialien.) Bei Interesse melden Sie sich bitte frühzeitig, damit ich noch einen Termin für Sie frei habe.

ein paar Hintergrundgedanken

Es gibt sehr gute Literatur zur intensiven inhaltlichen Arbeit mit Psalmen.(Z.B.: Beate Leßmann, “Mein Gott, mein Gott...”, Neukirchener Verlag oder Ingo Baldermann “Wer hört mein Weinen”, ebenfalls Neukirchener Verlag). Wer in die Tiefe gehen möchte, dem seien diese Bücher empfohlen.

Malen nach Psalmen hat eine etwas andere Intention. Es geht um ein erstes Kennenlernen verschiedener Psalmen, ein erstes Annähern an die Sprache und die Erfahrungen der Psalmen. Die Kinder sollen die Psalmen kennen lernen als Möglichkeit, von und mit Gott zu reden. Sie erfahren, dass wir alles vor Gott bringen können: unsere Freude, unseren Dank, aber auch unsere Wut, Schmerz und Ängste. Dennoch bleiben die Gespräche über die Psalmen erfahrungsgemäß relativ nah an der Oberfläche. Würde man sehr tief in die Thematik einsteigen, wäre der Zeitrahmen von 1,5 Stunden pro Psalm viel zu kurz und es bliebe kaum Zeit zum Malen. Die Kinder, die sich hier treffen, kennen sich oft gar nicht oder kaum (zumindest zu Beginn). Daher können sie intensive Gespräche etwa über ihre Ängste in einer solchen Gruppe nicht leisten. Zudem ist die Altersspanne in unseren Kursen sehr groß. Aber sie haben einen ersten Berührungspunkt mit den Psalmen. Immer wieder im kirchlichen Leben werden ihnen die Psalmen begegnen und sie werden sie als etwas Vertrautes, Positives erleben. So soll ihnen der tiefere Zugang erleichtert werden.

Die Phase des Malens hat ebenso großes Gewicht. Die Kinder lernen verschiedene Farben kennen und verschiedene Maltechniken. Es hat sich gezeigt, dass es sehr hilfreich für die Kinder ist (,vor allem zu Beginn), Vorgaben zum Malen zu bekommen. Je länger die Kinder dabei sind, desto mehr können sie sich von diesen Vorgaben lösen und eigene Ideen verwirklichen. Sie entdecken ihre Vorliebe für bestimmte Farben oder Techniken und werden freier in ihrer Gestaltung. Zu Beginn wären sie jedoch mit der Arbeitsanweisung “malt jetzt mal zum 23. Psalm, was ihr wollt” überfordert. Daher stelle ich an jedem Tag eine Idee vor, was und wie sie malen könnten. Die Kinder wissen aber, dass sie auch eigene Ideen verwirklichen dürfen.

Aufgrund der Vielfalt der Arbeitsmaterialien ist anfangs der Aufwand der Materialbeschaffung (auch finanziell) recht hoch. Aber es hat sich gezeigt, dass genau diese Vielfalt einen Teil des Reizes an Malen nach Psalmen ausmacht. Wie langweilig wäre es, alle Psalmen einfach mit Buntstiften “nach zu malen”! Sicher finden sich in der Gemeindearbeit noch viele Gelegenheiten, die Materialien mit- oder weiter zu verwenden. Es lohnt sich!

Malen nach Psalmen kostet auch etwas! Zum einen hat das einen rein praktischen Grund, nämlich die finanzielle Belastung für den Veranstalter in Grenzen zu halten. Zum anderen erhöht es aber den Wert der Veranstaltung und die Verbindlichkeit. Wir nehmen für eine Einheit sechs Euro (einen Euro für 1,5 Stunden), Geschwister sind umsonst. Natürlich kann man im Einzelfall auch Sonderregelungen vereinbaren.

gemeinsam essen

Zwischendrin brauchen die meisten Kinder eine Pause. (Wobei sich manche auch von ihren Arbeiten kaum losreißen können.) 

Das gemeinsame Essen von Keksen, Apfelstücken oder gemeinsam gebackenen Waffeln, dazu Tee oder Saft, ist ein wichtiges Ritual. Es macht uns satt, stärkt uns und fördert die Gemeinschaft. Wo ich mich wohlfühle, da esse ich. Es ist gut zu wissen, dass Gott für uns alle sorgt.

Jesus hat uns das vor gelebt. Er hat gefeiert auf der Hochzeit zu Kana, ist im Hause des Zachäus und anderer eingekehrt, er hat 5000 zu essen gegeben, mit seinen Jüngern das Brot gebrochen,....

Glaube wächst durch Beziehung

Ich bin im Laufe meines Arbeitslebens und meines Lebens als Pflegemutter zu der festen Überzeugung gekommen, dass das Wertvollste, was wir den Kindern anbieten können, unsere eigene Person ist. Verbindlichkeit, Verlässlichkeit, Einfühlungsvermögen und dazu jede Menge Spaß sind das Fundament, auf dem wir bauen. Wenn wir es schaffen, einen Zugang zu den Kindern zu finden und ihnen eine für sie besondere Zeit zu bereiten, wenn sie sich wohl und ernstgenommen fühlen, dann „glauben sie uns unseren Gott“ (frei nach Heinz Zahrnt). Es bedarf dabei gar nicht so vieler theologischer Worte, wie man annehmen könnte.
Fragt man „kirchenferne“ Erwachsene nach ihrem Glauben bzw. ihren Problemen mit "der Kirche", dann hört man meistens keine theologischen Einsichten, sondern erfährt von früheren „Beziehungsproblemen“ mit kirchlichen VertreterInnen. Von einem „unfreundlichen“ Pfarrer oder einer „ungerechten“ Religionslehrerin. Diese Erkenntnis ist Bürde und Entlastung zugleich. Es bedeutet, dass wir glaubwürdig, aber vor allem liebevoll und verständnisvoll sein müssen, es bedeutet aber auch, dass wir unsere „theologischen Ansprüche“ nicht ganz so hoch stecken müssen. Wir säen kleine Samen und können getrost darauf vertrauen, dass sie wachsen werden.
Daher ist das Malen und Gestalten nicht einfach angenehmer Zeitvertreib, nachdem das Wesentliche gesagt worden ist. Die Kinder erleben fürsorgliche Beziehung (wenn auch nur auf Zeit) und Gemeinschaft mit anderen Kindern in sorgenfreier Situation. Sie müssen nichts besonderes leisten, sie werden nicht geprüft oder abgefragt, sie können einfach Spaß haben. (Und sie können, soweit sie das möchten, mit anderen über Gott, über ihre Gedanken und Gefühle sprechen.) Sie erleben: „In der Kirche kann ich mich geborgen fühlen und so sein, wie ich bin.“ Von hier aus ist es nicht weit zu der Erkenntnis „Bei Gott fühle ich mich geborgen und bin angenommen, so wie ich bin.“

Warum genau diese Psalmen?

Meine Auswahl hat unterschiedliche Gesichtspunkte.
- Manche Psalmen gefallen mir einfach so gut (bzw. Verse daraus), dass ich gerne möchte, dass die Kinder sie auch kennenlernen (z.B. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ oder „mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“)
- Bei anderen stand die Technik des Malens oder Bastelns im Vordergrund (so z.B. bei Psalm 68. Er ist recht schwer verständlich, aber ich wollte gerne Instrumente - lobsingen- und Fensterbilder -Gottes heilige Wohnung- mit den Kindern machen)
- oder es gab ein schönes oder bekanntes Lied zu einem Psalm (z.B. „Vom Aufgang der Sonne“ oder „meine Zeit steht in deinen Händen“)
- andere fand ich wichtig, weil ich das Thema des Psalms wichtig fand (z.B. Psalm 69: „das Wasser geht mir bis an die Kehle“). Wir dürfen auch unsere Klagen vor Gott bringen. In der Schule kommen übrigens sehr intensive Gespräche gerade über die Klagepsalmen zustande.
Es hat also seine Logik und ist doch irgendwie willkürlich.
Da ich die Pslamen noch längst nicht ausgeschöpft habe (z.B. Psalm 139 kommt noch nicht vor), werde ich die Reihe auch sicher noch weiter fortsetzen.

Malen nach Geschichten

Wir haben eine Menge Psalmen gemalt, doch dann stand uns der Sinn nach anderen Themen. So entstand Malen nach Geschichten.  

Die neutestamentlichen Geschichten sind bekannter bei den Kindern (, was es irgendwie schwieriger bei der Vorbereitung macht) und es fiel auf, dass Kreatives über das "Nachmalen der Geschichte" hinaus gar nicht so einfach ist. So haben wir unsere Bandbreite erweitert und auch Speckstein, Ytong, Holz, Gips, ....mit auf genommen, haben das Ganze um einige Bastelideen erweitert. Und haben eher themenbezogene Reihen (wie Taufe, beten) oder Geschichten aus dem Alten Testament, die nicht so bekannt sind.

auch hier ist die Reihe sicher noch nicht zu Ende....

 

Luther oder was?

Mein Herz schlägt für die Lutherübersetzung. Das hat mehrere Gründe: Zum einen ist es natürlich die Übersetzung, die ich seit Kindertagen kenne. Und ich mag die Sprache, alt, aber ausdrucksstark. Zum anderen ist es aber auch die Übersetzung, die wir normalerweise im Gottesdienst hören. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Vielleicht ist „der Herr ist mein Hirt, darum leide ich keine Not“ verständlicher (Gute Nachricht Bibel; wobei ich nicht verstehe, warum der Hirte nun zum Hirt wird), aber gerade bei den neueren Übersetzungen des Pslam 23, den wir alle auswendig kennen, wird deutlich, dass sie eher irritieren, weil sie eben ungewohnt sind. Und grundsätzlich finde ich es gut, sich auf eine Übersetzung zu einigen, weil Wiedererkennen eben auch Vertrautheit bedeutet.
Nun kommt aber mein Aber:
Die Lutherübersetzung nicht nicht so leicht verständlich, manchmal sind viele Erklärungen nötig. Was bedeutet z.B. „mangeln“ oder „Aue“? Ich habe daher für die meisten Psalmen moderne Übersetzungen, die speziell für die Kirche-mit-Kindern-Arbeit geschrieben wurden, gewählt.  Denn Luther hat die Bibel ins Deutsche übersetzt, um sie für das "normale Volk" verstehbar zu machen. Wenn wir nun die Sprache von Luther gar nicht mehr verstehen, dann werden wir seiner Idee nicht mehr gerecht, wenn wir darauf beharren: "Luther und nichts anderes". 
Einen guten Kompromiss finde ich es, eine kindgerechte Fassung zu wählen und den Kehrvers im Original Luther zu lassen. So haben die Kinder den Wiedererkennungseffekt, ohne an zu vielen Verständnisschwierigkeiten scheitern zu müssen.

Das bringt mich zum nächsten Punkt: Kehrvers. Viele Kinder lesen gerne selber. Manche, die kommen, können aber noch nicht gut oder gar nicht lesen. Durch die Psalmen, die durch einen Kehrvers unterbrochen sind, haben wir kurze Abschnitte, die die Kinder lesen können und gemeinsame Kehrverse, die alle mitsprechen können. Und das Wiederholen des Kehrverses hilft beim Einprägen.

„Ich kann nicht malen“

Immer wieder kommen Kinder, die von sich selber sagen, dass sie nicht malen können. Manche Kinder haben tatsächlich ziemliche Schwierigkeiten und malen nicht altersentsprechend. Manche können es sehr wohl, brauchen aber eine Menge positives feedback. Was man negativ als „fishing for compliments“ deuten könnte, ist meiner Meinung nach die tiefe Sehnsucht nach Bestätigung und Wertschätzung. Jedes Bild besonders zu loben, ist dabei nicht besonders hilfreich. Die Kinder kennen das von uns Erwachsenen, dass wir dazu neigen, einfach mal zu loben, obwohl sie selber wissen, dass ihr Bild nicht gelungen ist.
Folgendes ist mir aufgefallen:
- Kinder, die länger dabei sind, üben ihre Fertigkeiten und werden tatsächlich immer besser und sicherer im Malen („Übung macht den Meister“ ist nicht nur ein Spruch)
- je sicherer und geborgener sich die Kinder fühlen, desto weniger wichtig ist ihnen, was sie hier „leisten“. Wenn sie sich als Person angekommen und geschätzt fühlen, dann brauchen sie dieses „fishing for compliments“ kaum noch.
- Kinder lernen auch voneinander. Sie schauen voneinander ab und zeigen sich gegenseitig, wie es gehen könnte. Grundregel ist natürlich, dass wir die Bilder der anderen nicht kritisieren. Damit hören die Kinder aber ganz schnell auf, wenn sie merken, dass es (bei uns Erwachsenen) nicht gut ankommt.
- Durch die abwechslungsreichen Techniken rückt der Spaßfaktor in den Vordergrund und der Leistungsdruck in den Hintergrund.
- Wir müssen immer vom Stand des Kindes ausgehen. Beim Malen nach Geschichten (zum Thema Gleichnisse) sagte ein Junge zu mir: „Also malen tu ja ich mal gar nicht.“ (Natürlich könnten wir uns jetzt fragen, was er dann hier macht. Die Antwort lautet: er verbringt Zeit ohne Fernsehen, erlebt, dass Kirche etwas Schönes ist, hat Gemeinschaft mit anderen Kindern, hört etwas von Gott....) Er hat dann doch gemalt. Erst nur eine Minute, dann immer länger. Er hat mit dem Schafstempel alle 99 Schafe aufgestempelt, er hat mit dem Schwamm bunte Bilder geschaffen, er hat hingebungsvoll Blätter für unsere Weinbergkulisse ausgeschnitten. Für Kinder, die nicht malen "können" oder wollen, gibt es also immer noch ein anderes Angebot: Stempel, Salzteig, selbsthärtenden Ton, .... Und ich habe mit Absicht Techniken im Repertoir, die immer gelingen (z.B. Wattewolken auf blauem Hintergrund).
Ich suche nicht Kinder für meine Angebote, sondern suche die Angebote nach meinen Kindern heraus. Anna-Maria malt am liebsten mit Gouache an der Staffelei, Miriam malt immer mit Buntstiften, Felix macht gerne Skizzen mit dem Bleistift (am liebsten Bilder mit irgend welchen technischen Details). Die Staffelei kann ich nicht jedes Mal bieten, aber Buntstifte und Bleistifte sind immer da.